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LERNTHERAPIE

Was ist eine Lese-und Rechtschreibschwäche?


Die Begriffe Legasthenie, LRS, Lese-Rechtschreibstörung und Lese – Rechtschreibschwäche werden meist synonym verwendet, da inzwischen laut Studien eine Aufteilung in  „Störung und Schwäche“ realitätsfremd erscheint.


Bei der Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) handelt sich um eine Teilleistungsstörung, also um eine Entwicklungsstörung des Lesens und / oder Schreibens bei einer durchschnittlichen bzw. sogar überdurchschnittlichen allgemeinen Begabung. Die Schwäche also erwartungswidrig auf und eben nur in Teilbereichen. Der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) geht davon aus, dass in Deutschland 5% der Schüler von dieser Störung im Aneignungspürozess von Lesen und Schreiben betroffen sind. Es gilt: Je eher eine Therapie einsetzt, desto größer sind i.d.R. die erzielbaren Effekte.  


Für einen „reibungslosen“ Schriftspracherwerb benötigen die Kinder kognitive, motorische und an die Sinneswahrnehmung gekoppelten Leistungen. Lernen und Bewegen stellt eine Einheit dar! Als mögliche Gründe für Schwierigkeiten im Erwerb der Schriftsprache kommen daher neben einer Vererbung auch Schwierigkeiten oder Verzögerungen in der Sprachentwicklung, der Wahrnehmungsleistung, der Motorik, der Merkfähigkeit oder auch der Konzentration in Betracht.


Lernschwierigkeiten haben daher unterschiedliche Gesichter:

  • Mühen im Lesen / Schreiben trotz fleißigem Üben
  • Buchstaben werden nicht richtig benannt / automatisiert geschrieben
  • Hinzufügung oder Auslassung von Lauten (swarz statt schwarz)
  • Verwechslung ähnlich klingender Laute wie b/p, g/k, o/u
  • Verdrehung von Lauten (Kamle statt Kamel)
  • fehlerhaftes Hören von Lauten (Kloten statt Knoten)
  • langes lautgetreues Schreiben (Schdier statt Stier)
  • mühsames Erlesen der Wörter mit zahlreichen Selbstkorrekturen
  • Texte / Aufgabenstellungen, auch in anderen Fächern, werden nicht verstanden
  • Wörter werden mal falsch, mal richtig geschrieben, auch beim Abschreiben
  • auch häufige Wörter können nicht gelesen / geschrieben werden (mangelnde Bildeinträge)
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsprobleme
  • Mühen in der Grob- und Feinmotorik
  • Verwaschene Artikulation / Wortfindungsstörungen
  • Probleme in der Hausaufgabensituation
  • Schulunlust, Versagensängste


Viele Kinder haben in den ersten Klassen einige dieser Mühen. Bei den meisten nehmen sie kontinuierlich ab und kommen dann so gut wie nicht mehr vor. Kinder mit LRS machen die genannten Fehler häufiger, hartnäckiger und verzeichnen z.T. kaum Lernfortschritte. Kompensatorisch können dann Begleiterscheinungen wie Unaufmerksamkeit, Clownerie, motorische Unruhe, Wutausbrüche oder schnelles Gekränktsein hinzukommen.


Denn: Wer aus Buchstaben keine Wörter zusammensetzen kann, keine langen oder kurz gesprochenen Vokale heraushört oder Reime versteht, dem fehlt der richtige Nährboden. Ohne den ist jedoch keine Ertrag möglich. Und so kann es gut sein, dass das eine Kind noch das Feld bestellt, während sein Nachbar bereits die ersten Früchte erntet - das frustet!


Erst recht, wenn sich die Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben auch in anderen Fächern bemerkbar machen. Schließlich leben die meisten Fächer durch eine lesende Aneignung des Wissens und einen schreibend zu belegenden Kenntnisstand. Damit sind Lesen und Schreiben mit die wichtigsten Bestandteile des Schulerfolges.


Was will Lerntherapie?

Lerntherapie ist eine außerschulische Förderung für SchülerInnen, die trotz Anstrengung und gutem Lernpotential gravierende Schwierigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen haben. Die Altersspanne umfasst das Kindergartenalter (Schulung der Vorläuferfertigkeiten, phonologischen Bewusstheit etc.), über die Primarstufe bis zur Sekundarstufe I.

Lerntherapie hat drei große Bereiche zum Ziel:


  1. Je nach Ursache erfolgt die Förderung in den Bereichen Wahrnehmungsverarbeitung, Motorik und / oder exekutiven Funktionen wie Aufmerksamkeit, Impulskontrolle oder Steigerung des Arbeitsgedächtnisses, Motivation, Anstrengungsbereitschaft, Ausdauer oder Selbstvertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit
  2. Lese-Rechtschreibförderung  auf der Grundlage des bisherigen sprachlichen und schriftsprachlichen Entwicklungsstandes. Themen sind u.a. phonologische Bewusstheit, Sicherung der Buchstaben und Laute, Festigung der Phonem-Graphem-Zuordnung, silben- und morphemorientierte Arbeit, Einüben von Rechtschreibregeln, Aufbau und Sicherung des Grundwortschatzes und das Kennenlernen der Pilotsprache  
  3. Vermittlung von Lerntechniken und den Aufbau eines eigenverantwortlichen Lernverhaltens. Die Lerntherapie bietet den Raum dafür, für sich geeignete Arbeits- und Lernwege zu finden. „Schreibe ich lieber auf Linienpapier oder karriertem Papier? Kann ich flüssiger mit einem rauhen Bleistift oder einem Gelschreiber schreiben? Brauche ich einen Pezziball oder einen Stuhl mit Rücken- und Seitenlehne als Begrenzung? Konzentriere ich mich bei leiser Musik besonders gut? Woran erkenne ich, dass ich eine Pause brauche? Wie soll mein Arbeitsplatz eingerichtet sein? Lerne ich besser am Tisch oder auf dem Boden? In Bewegung oder nur kaugummikauend?“ Wenn das Kind weiß, was es braucht, kann es selbständig für sich sorgen, als wichtigen Schritt, das eigene Lernen zu gestalten und zu merken: Buchstaben sind ja doch meine Freunde!


Ohne die Unterstützung der Eltern geht nichts! Schulprobleme haben häufig Auswirkungen auf das gesamte Familiensystem – so können es 45 Minuten Lerntherapie pro Woche allein nicht leisten, das Kind umfassend zu unterstützen und (Lern-)Grundlagen zu schaffen. Die Frage nach Ihren häuslichen Ressourcen zur Festigung des Gelernten ist daher von großer Bedeutung.


Obwohl ich den Kindern auf einer spielerischen Kommunikationsebene begegne, bleibt es für Ihr Kind eine Arbeit im Sinne einer Kraftanstrengung, auch, wenn diese so leicht wie möglich gestaltet wird. Wir kennen es bestimmt selbst: Gerade die Arbeit an Themen, die uns schwerfallen, erfordert eine erhöhte Anstrengungs- und Konzentrationsleistung. Ihr Kind profitiert sehr von einer konstruktiven Zusammenarbeit aller Beteiligten wie Kita / Schule, Eltern, Großeltern, Ärzten, Therapeuten und Ihnen. Dieses Netzwerk ebnet zum einen den Weg zu Veränderungen und birgt zum anderen die nötige Wertschätzung für das Kind mit all seinen Stärken und Mühen. „Du schaffst das mit uns!“ ist der erste Schritt zur angeleiteten Selbständigkeit. Denn nur diese vermittelt das nötige Gefühl der Selbstwirksamkeit: „Ich bin schwierigen Situationen gewachsen, ich kann was!“ und bewirkt eine „Entdramatisierung“ innerhalb der Familie.


Methoden der Lerntherapie:

Weil es nicht „die Legasthenie“ gibt, gibt es auch nicht „die Therapie“. Aber: Nur eine positive Sicht fördert die Motivation und das Vertrauen, Lern- und Leistungsmühen überwinden zu können. Und: Lernen ist Bewegen! Daher bearbeite ich mit den Kindern nicht nur Arbeitsblätter am Tisch – nicht zuletzt, weil ich als Ergotherapeutin nicht anders kann, als alle Sinne miteinzubeziehen!

Bei der Wahl der passenden Übungen und Therapiebestandteile lasse ich mich von einer Reihe von Fragen leiten, z.B.: Welche Missverständnisse haben zu falschen Vorstellungen und Vorgehensweisen geführt? Welche Lernvoraussetzungen sind noch nicht entwickelt? Hat das Kind Schwierigkeiten in der Verarbeitung bestimmter Wahrnehmungsbereiche? Was hindert das Kind noch an der Entfaltung seines Potentials? Welche Mittel erleichtern den Lernprozess? Welche Methoden machen dem Kind Spaß und sorgen für eingängige Wissens- und Technikaneignung?


Ich arbeite mit folgenden entwicklungs- und lernstandsgerechten Fördermaterialien:

  • Aufbau und Automatisierung von Lese- und Rechtschreibstrategien, das Trainieren des synchronen Sprechens und Schreibens, Vermittlung der Pilotsprache, der Merkwörter und Wortstämme, Erkennen orthografischer Regeln und sprachlicher Strukturen
  • Ausführliche Eltern-, Lern- und Umfeldberatung
  • Integration aller Wahrnehmungsbereiche, KIM-Spiele
  • ergotherapeutische Bewegungselemente zur sensorischen Integration
  • Förderung der visuellen und auditiven Merkfähigkeit
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationstraining, u.a. mit dem „Marburger Konzentrationsprogramm“ (MKT)
  • Entspannungstechniken, u.a. nach Jacobson (PME)


Die Therapie beginnt immer knapp unterhalb des Leistungsniveaus des Kindes in dem zu fördernden Bereich. So erzielt es schnell erste kleine Erfolge, fasst wieder Vertrauen in sich und traut sich zu, an den Mühen mit Unterstützung zu arbeiten.


Lerntherapie zeichnet sich aus durch:

  • Beziehungsarbeit, Spaß!
  • Nutzen der vorhandenen Stärken
  • Flexibilität und Methodenintegration
  • Verlaufsdiagnostik
  • Vermittlung von geeigneten anderen Institutionen und Therapieformen bei Bedarf
  • Einbeziehung der Eltern und des Umfeldes


Was ist Lerntherapie nicht?

Eine Lerntherapie kann nicht alle Probleme lösen – manchmal ist eine begleitende Therapie in Form einer Logopädie oder Psychotherapie notwendig, um eine Lerntherapie zu unterstützen bzw. überhaupt erst möglich zu machen. Eine gut konzipierte und früh einsetzende Lerntherapie kann psychische Probleme und somit auch Psychotherapiebedarf verhindern / vermindern. Damit hat Lerntherapie auch eine hohen prophylaktischen Wert.


Unterschiede zur Nachhilfe

Nachhilfe eignet sich für Schüler/innen mit Wissenslücken in einzelnen Fächern, hervorgerufen durch versäumten Unterricht, einem „Lerntief“ oder einer Veränderung im Leben des Kindes, das Energie kostete und Vorrang hatte. Die Nachhilfe kann bei vorhandenem Basiswissen und dem allgemeinen Verständnis des Schulstoffes helfen, wieder auf den Zug aufzuspringen, der verpasst wurde.

Andrea Czerny Lerntherapie · Ergotherapie · Diagnostik //2018